Lehrer stellen sich der Digitalisierung

Der Verein „Salzgitter: Schulen mit Zukunft“ schult Pädagogen in der neuen Technik.


Lehrerschulung im vereinseigenen Fortbildungszentrum in der Wiesenschule: Anna Kampf und Anna-Katherina Strebner (beide Grundschule Am Ziesberg), Geschäftsführer Jürgen Marggraf, Dozent Florian Ascherfeld, Marco Schautberger (IGS Salzgitter), Daniel Ahrens und Lisa Sonau (beide Grundschule Am Ostertral) und 2. Vorsitzender Heinz-Dieter Brandt. Foto: Yvonne Weber

Von Yvonne Weber

Salzgitter. Die Zeiten von Tafelbildern mit Kreidestaub und miefigen Schwamm sind fast vorbei. Heute werden mittels interaktiver Boards Tafelbilder abgespeichert, an Schüler zum Lernen auf die Notebooks verschickt oder in der nächsten Unterrichtsstunde ein zu eins wieder aufgerufen. „Ganz einfach“, lacht Jürgen Marggraf. Der Geschäftsführer des Vereins „Salzgitter: Schulen mit Zukunft“ möchte die Digitalisierung in den Schulen weiter voranbringen.

Rund 200 der neuesten digitalen Schultafeln stehen derzeit in Salzgitters Klassenräume. Die riesigen „Fernseher“, Kosten pro Gerät zirka 7000 Euro, werden über Touchscreen bedient.

Mittels spezieller Softwares können in nahezu allen Unterrichtsfächern pädagogische Lerninhalte unter aktiver Einbeziehung der Schüler auf diesen Monitoren dargestellt und direkt verarbeitet werden. Damit die Hightech-Geräte auch ausschöpfend genutzt werden, müssen auch die Anwender, sprich die Lehrer, die richtigen Bedienungskniffe kennen.

Und da setzt der Verein, der in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag feierte, an. „Wir schulen die Lehrer. Und sind neben dem Verein „n-21“, einer Einrichtung des Landes Niedersachsen oder dem „MultiMedia-Mobil“ der Landesmedienanstalt Niedersachsen, wahrscheinlich der einzige Verein in unserem Bundesland, der seine Lehrer in diesem Maße weiterbildet“, berichtet Marggraf. Je nach Bedarf werden vom Verein in seinem „Pädagogisches Fortbildungszentrum für Informationstechnologien“, in der Wiesenschule unterschiedliche Schulungen angeboten.

In diesem Jahr werden es insgesamt neun Fachseminare sein. Und es dürfen gerne mehr werden. Die zwei Räume im Grundschulgebäude sind mit allen technischen IT-Raffinessen ausgestattet: drei interaktive Boards, ein interaktives LCD HD Board, zehn Notebooks, Webcam, Drucker, eine IServ-Schulungsnetzwerk und jede Menge mehr. „Wir legen Wert darauf, dass wir auf dem neuesten Stand sind und dennoch eine gewisse Wohlfühlatmosphäre haben“, berichtet Jürgen Marggraf. Mittlerweile hat die Stadt all ihre Schulen auf ein einheitliches Netzwerkportal namens IServ umgerüstet.

Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. Neben dem normalen Emailverkehr können Lehrer darüber auf Schülerlaptops zugreifen, Stundenpläne verschicken oder Vertretungs- und Klausurpläne vonZuhause aus abrufen. Die Schüler können sich in geschützten „Chat- Räumen“ austauschen, Aufgaben abrufen, Ergebnisse einstellen und vieles mehr.

So sollen die Kommunikation und das interaktive Lernen erleichtert werden. Und das funktioniert ebenfalls von zu Hause aus. „Mobiles Lernen“ mit eigenen IT-Endgeräten soll in absehbarer Zeit an den Schulen in Salzgitter selbstverständlich sein.

Das ist in der Realität oft schwerer als gedacht, weiß auch Lehrerin Anna Kampf von der Grundschule Am Ziesberg: „Die anfängliche Berührungsangst ist verflogen. Jetzt möchte ich das System auch in unserer Schule etablieren. Ich habe meine Kollegen vorgewarnt.“ Einige Kollegen sehen darin „mehr Arbeit, sich erstmal mit der neuen Technik vertraut zu machen.“ Oft gehe das eher jüngeren Lehrern so, statt wie angenommen den alten Schulhasen.

Dozent Florian Ascherfeld von IServ aus Braunschweig, sowie Heinz-Dieter Brandt, 2. Vorsitzen- der des Vereins, wünschen sich, dass die Schulen und Firmen auf sie zu zukommen. „Viele Kinder sind oft schon weiter im Umgang mit der Technik als die Lehrer. Da müssen wir anknüpfen. Die Geräte haben wir jetzt. Und den althergebrachten Lehrerstil sollten wir langsam über Bord werfen“, betont Brandt, selbst ehemaliger Schulleiter in Flachstöckheim. Er hofft, dass das Buch nie ausgedient haben wird, aber das zukünftige Lernen immer mehr in die digitale Welt sich verschiebt. Allein die Recherche in den einschlägigen Suchmaschinen, wie Google, hat das Lexikon im Bücherregal schon längst abgelöst.

Zukunft in der Schule stellt sich Brandt mit Notebook am Schreibtisch, vernetzt mit dem Lehrerpult und anschließend das digitale Lernen via Smartphone, Notebook oder Tablet von zuhause aus vor. „Dann brauchen die Schüler nur noch mit dem Turnbeutel zur Schule gehen“, schmunzelt Brandt.

Salzgitter Zeitung, 21.11.2018