Netzwerkbetreuung für Schulen

Das Modell Osnabrück

Niedersachsen im Jahr 2002: Nach verschiedenen Ausstattungs Initiativen stehen in den Schulen viele Computer und sind die Schulen mit dem Internet verbunden. Alles sind glücklich und in Aufbruchstimmung. Jetzt kann Lernen mit neuen Medien beginnen.

Alle? Nein. In einem großen Flächenlandkreis mit einem aufstrebendem Oberzentrum machen sich einige wenige Menschen bange Gedanken. Was wird wohl mit der ganzen schönen neuen Hardware, wenn sie keiner betreut? Werden die Lehrerinnen und Lehrer mit den neuen Medien arbeiten, wenn sie mit der Technik allein gelassen werden?

Das darf nicht sein! Also erarbeiten die weitsichtigen Menschen am Medienzentrum Osnabrück (MZO) ein Konzept, um die Wartung und Pflege der in den Schulen eingesetzte Informationstechnik (IT) so effektiv und effizient wie möglich realisieren und den Support der schulischen Netzwerke gewährleisten zu können. Die Gewährung von Landesmitteln zur Systembetreuung an die Schulträger im Herbst 2002 bedeutete eine klare Unterstützung des eingeschlagenen Wegs.

Eines klar: Eine Verbundlösung musste her, da anders als in vielen Städten die Trägerschaft der Schulen in Kreis und Stadt auf mehr als 30 Kommunen verteilt ist. Nach mehreren Informationsveranstaltungen und Dialogrunden mit Schulträgern aus Stadt und Landkreis Osnabrück wurde im März 2003 eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, an der sich 14 Schulträger mit etwa 120 Schulen beteiligten. Heute sind es 17 Schulträger mit 126 Schulen.

Im April 2003 startete das Projekt "Netzwerkbetreuung für Schulen" (http://www.mzo-support.de) mit 2 - in Worten zwei - Fachinformatikern (Systembetreuung) und einem pädagogischen Mitarbeiter beim Medienzentrum. Etwa 4000 Computer warteten auf angemessen Betreuung.

Ziele

  • Bereitstellung von qualifiziertem IT-Know-how für die Schulen
  • Supportdienste für Lehrer/-innen bei PC-Problemen
  • kostengünstiger technischer Support
  • für die Schulträger: Investitionssicherheit im Informations- und Kommunikationsbereich durch eine übergreifende und vorausschauende Planung
  • Einführung von Standards
  • Schaffung von Fernwartungsmöglichkeiten
  • Fortbildung der IT-Beauftragten der Schulen
  • Entwicklung von Empfehlungsrichtlinien

Das Konzept

Unser Bestreben war es, die in den Schulen vorhandene Hard- und Software weiter zu verwenden und neue Ausstattung zu integrieren1. Die Computer sollten jederzeit in einem definierten Anfangszustand sein, sie sollten sicher funktionieren und gegen beabsichtigte und nicht beabsichtigte Manipulation geschützt werden (s.a. Ziele im Kasten).

Dazu installierten wir in jedem Computer eine Einsteckkarte (www.signalcomputer.de), die dafür sorgt, dass sich der Computer nach dem Aus- und Wiedereinschalten wieder im ursprünglichen Zustand befindet. Selbst eine Formatierung der Festplatte bleibt ohne Wirkung. Damit ist es uns gelungen, den Wartungsaufwand für die Schulcomputer drastisch zu verringern. Eine solche Maßnahme lässt sich nahtlos in ein Client-Server-Konzept integrieren.

Also haben wir in einem weiteren Schritt damit begonnen, die Server in den Schulen durch den "IServ-Portalserver" (iserv-bs.de) zu ersetzen bzw. einen IServ-Portalserver in den Schulen zu installieren.

IServ ist nicht nur der perfekte Server für das lokale Netzwerk, IServ ist vor allem ein mächtiger Kommunikationsserver, der eine neue, flexiblere und individuellere Art des Lehrens und Lernens ermöglicht - jahrgangs- und fächerübergreifend, unabhängig von örtlichen Gegebenheiten und dem in der Schule üblichen Zeitraster (http://www.mzo-support.de/presse/05-01-svbl.html).

Der Zugriff erfolgt plattformunabhängig mittels eines gewöhnlichen Internet-Browsers über eine konsistente und intuitiv bedienbare Weboberfläche.

Zur Zeit haben wir über 70 IServ installiert. In jedem von uns installierten IServ wurde ein Überwachungsdienst (www.nagios.org) integriert, mit dem wir von jedem beliebigen Ort mittels eines Browsers die auf den Servern laufenden Dienste kontrollieren können.

Die Server könen zu Gruppen organisiert werden, so dass man einen besseren Überblick und Zugriff auf die Einzeldarstellung hat. Durch die Farben lässt sich mit einem Blick erkennen, ob ein Server gerade ein ernstes Problem hat oder wo demnächst Probleme zu erwarten sind. (Online zu verfolgen unter http://www.mzo-support.de/nagios).

Wir halten auf dem Server der Netzwerkbetreuung nicht nur diese ständig aktualisierte Status-Seite vor, sondern auch eine Seite für die Schulen (http://www.mzo-support.de/iservliste.htm) auf der weitere lokale Statusmeldungen des System-Monitors sowie ein Notzugang für den Fall, dass der DynDNS-Dienst ausfällt, zugäglich sind.

Damit haben wir die Möglichkeit, schon im Vorfeld Maßnahmen zu ergreifen, um die Störungen zu minimieren bzw. bei aufgetretenen Störungen sehr schnell zu reagieren. Auch unsere Kunden können erkennen, ob es ein Server-Problem gibt. Darüber hinaus kann man sehen, wie stabil diese Server im Alltag ihren Dienst verrichten.

Die Wartung erfolgt vom Medienzentrum aus (remote) und Aktualisierungen der installierten Dienste laufen automatisch ab. Die Serversoftware bringt alle Dienste mit, die für eine moderne Kommunikation notwendig sind.

ittelfristig möchten wir die bis dahin gewachsenen Strukturen in den Schulen zu einer kostensparenden Infrastruktur vereinheitlichen.

Technischer Standard der Vernetzung

Grundsätzlich empfehlen wir eine kabelgebundene Vernetzung in den Schulen. Die Gründe sind:

  • hohe Bandbreite,
  • sichere Verbindung,
  • bewährter Standard.

Selbstverständlich installieren und betreuen wir auch WLAN und gerichtete Funkstrecken, wenn es die Umstände erfordern, z.B. an einer Schule mit Laptop-Klassen.

Leistungskatalog

Der Leistungskatalog2 beschreibt in drei Spalten die Aufgaben der Netzwerkbetreuung, die gemeinsamen Aufgaben von Netzwerkbetreuung und Schule sowie Aufgaben, die von den Schulen in Eigenregie zu erledigen sind.

Ganz allgemein haben die Schulen die Aufgabe, für das Verbrauchsmaterial zu sorgen, Einzelplatzlizenzen von Software zu installieren sowie bei Fehlfunktionen eines Einzelplatz-PCs den First-Level-Support zu leisten.

Die gemeinsamen Aufgaben bestehen in der Planung von Ausstattungen. Die Netzwerkbetreuung ist für die Server sowie ganz allgemein für den Second-und Third-Level-Support zuständig.

Pädagogisch-technische Beratung

Im Support-Team ist ein pädagogischer Mitarbeiter (IuK-Berater) Ansprechpartner für alle Fragen, die mit dem pädagogischen Einsatz von Computern in der Schule zusammenhängen. Dieser IuK-Berater koordiniert auch die Zusammenarbeit mit den Schulträgern.

Die enge Verzahnung der technischen Seite mit der pädagogische Annwendung halten wir für einen der wichtigsten Gesichtspunkte in unserem Konzept. Das Medienzentrum Osnabrück hat damit die Möglichkeit sich als kompetenter Ansprechpartner der Schulen in allen Fragen der Mediennutzung zu profilieren.

Wir haben festgestellt, dass nach nunmehr zwei Jahren der Konsolidierung der IT-Ausstattung ein deutlicher Bedarf seitens der Schulen für Qualifikationsangebote existiert. Es geht hierbei immer um Hilfestellung bei konkreten (Unterrichts-)Projekten. Der didaktische Dienst des Medienzentrums Osnabrück kann bei Bedarf durch den IuK-Berater eingebunden werden und die nötigen Hilfen leisten.

So wurden Internet-Projekte durch den didaktischen Dienst ebenso begleitet wie Projekte der "Aktiven Medienarbeit", die eine weitere Säule des Angebots des Medienzentrums Osnabrück darstellt. Erfolge von Klassen und Kleingruppen, die ihre Projekte bei Wettbewerben eingereicht haben, sind ein schöner Beweis für die Akzeptanz dieses Angebotes.

Die verstärkte Nutzung der attraktiven Angebote des MZO zeigt deutlich, dass wir auf dem eingeschlagenen Weg von der Bildstelle zum Medien-Kompetenz-Zentrum durch die Einrichtung der Netzwerkbetreuung für Schulen einen gehörigen Schritt vorangekommen sind.

Zukunftsmusik

Das IServ-System eignet sich vorzüglich als lokaler Brückenkopf eines regionalen Online-Medien-Distributions-Systems. Mit einem in 2006 startenden Medien-Modul können sowohl eine Katalogisierung der in der Schule vorhandenen Bücher ("Digitale Schulbücherei") vorgenommen werden als auch Online-Medien jederzeit vom lokalen Server abrufbar sein.

Anmerkungen:
(1) Das derzeit aktuelle Konzept finden Sie unter http://www.mzo-support.de/downlood/03-03-22-ueberlegungen-it.pdf
(2) Die aktuelle Fassung des Leistungskatalogs finden Sie unter http://www.mzo-support.de/download/03-04-01-Leistungskatolog.pdf

Computer & Unterricht (Von Wolfgang Ebneter, Leiter des Medienzentrums Osnabrück, eb@medienzentrum-osnabrueck.de), 1. Quartal 2006