In Lehrerträumen gibt es Beamer und keine Tafeln

Das am Braunschweiger HvF-Gymnasium entwickelte IServ peppt mittlerweile den Unterricht an zehn weiteren Schulen der Region auf

Jacqueline Carewicz

HANNOVER Dass Schüler und Lehrer eines Tages ganz zu Hause bleiben und der Unterricht ausschließlich vorm heimischen PC verfolgt beziehungsweise von dort aus gestaltet wird, glaubt Hans-Jürgen Stumpf nicht. Aber dass Intra- und Internet den Schulalltag gehörig aufpeppen können, weiß er aus eigener Erfahrung. Stumpf ist wie sein Kollege Dietrich Steger Lehrer der Naturwissenschaften an der Braunschweiger Hoffmann-von-Fallersleben-Schule (HvF) und stellt gemeinsam mit ihm auf der Cebit (Halle 11) in Hannover die von Schülern und Lehrern entwickelte Kommunikations plattform IServ vor.

Schon seit drei Jahren wird IServ am Braunschweiger Gymnasium eingesetzt: im Mathe-Unterricht, wenn Schüler Umfragen statistisch auswerten und per Excel in Diagrammen darstellen, um Diskussionsforen einzurichten, zu chatten, E-Mails zu verwalten, für Lernprojekte, Arbeitsgruppen, Kooperationen mit anderen Schulen und vieles mehr. Hardware-Probleme kennen Schüler offenbar nicht: Nach Stumpfs Angaben haben zwei Drittel seiner Schüler zu Hause einen Internetzugang und das übrige Drittel hat zumindest einen PC daheim.

IServ soll, so Steger, den Unterricht also nicht ersetzen, sondern ergänzen. Und das 45-Minuten-Unterrichtsraster aufheben. Denn selbst wenn die Pausenglocke längst geschellt hat, sind die 30 PC-Plätze noch lange besetzt.

Vor zwei Jahren wurden HvF-Schüler mit IServ Landessieger beim Jugend-forscht-Wettbewerb, und seit etwa einem Jahr wird die Kommunikationsplattform auch von zehn weiteren Schulen unterschiedlicher Schulformen in der Region genutzt. Vertrieben und installiert wird die Software heute vom ehemaligen HvF-Schüler und -„Chefprogrammierer" Jörg Ludwig, der sich mittlerweile mit seiner Firma Intelligent Software in Braunschweig selbstständig gemacht hat. In erster Linie geht es Steger und Stumpf darum, den Schülerinnen und Schülern Medienkompetenz zu vermitteln. Doch nicht nur denen.

Auch im Lehrerkollegium habe es durchaus ein paar "harte Brocken" gegeben - und gewisse Vorbehalte gegenüber dem Kollegen Computer. Eine prima Gelegenheit, den Spieß einmal herum zu drehen. Denn wenn es darum geht, Lehrern den Umgang mit der neuen Technik beizubringen, müssen auch mal die Schüler ran. Als besonders einfühlsam und geduldig hätten sich hierbei übrigens die Mädels der Schöpfung erwiesen, erklärt Stumpf. Auch beim eigenen Umgang mit dem PC gebe es deutliche Unterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern. Steger: „Mädchen nutzen die neuen Medien, wenn sie ihren Sinn erkannt haben, und bei den Jungs dominiert erst mal eindeutig der Spieltrieb."

In seinen kühnsten Träumen wünscht sich Lehrer Steger einen Beamer an der Decke des Klassenzimmers und eine berührungsintensive Leinwand anstelle der ollen grünen Tafel. Weil er aber Realist ist, täte es zunächst auch ein Projektraum mit 20 Rechnern. Und IServ-Anschluss - versteht sich.

Braunschweiger Zeitung, 18.03.2003